6 Projektportfoliomanagement-Trends aus den 2010er Jahren
Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Reihe zu den PPM-Trends der letzten Jahre, die sich inzwischen als Best Practices etablieren konnten. Im ersten Teil werden die ersten drei Trends vorgestellt.  

Diese Entwicklungen haben unser heutiges Verständnis des PPM maßgeblich geprägt und werden es auch in Zukunft prägen. Aber von welchen Entwicklungen sprechen wir hier genau und wie haben diese unsere Projektmanagementmethoden beeinflusst?

1. Scaled Agile

Seit seiner Veröffentlichung 2001 ist das Agile Manifesto einer der Eckpfeiler eines funktionsübergreifenden und kollaborativen Projektmanagements: Anfänglich ausschließlich für den Bereich der Softwareentwicklung vorgesehen, hielt es auch in anderen Unternehmensbereichen Einzug, die adaptivere Projektmanagementmethoden erforderten, als sie die klassische Wasserfallmethode bieten kann. Erst in den frühen 2010er Jahren kamen Unternehmen zu der Erkenntnis, dass agile Methoden nicht nur erfolgreich innerhalb einzelner Teams, sondern auch unternehmensweit eingesetzt werden könnten.

Diese Erkenntnis wurde durch die Entwicklung des Scaled Agile Framework (SAFe) noch weiter vorangetrieben.Man kann SAFe als ein Regelwerk für Unternehmensabläufe und -prozesse, das von Unternehmen unabhängig ihrer Größe und ihrem Agile-Erfahrungsgrad zur Skalierung von Lean- und Agile-Methoden eingesetzt werden beschreiben.

Ähnlich wie Large-Scale Scrum (LeSS), Disciplined Agile Delivery (DAD) und Nexus liegt der Fokus bei SAFe auf der Skalierung von Agile-Methodologien über die Teamebene hinaus mit dem Ziel, einen Gesamtüberblick darüber zu bieten, wie Arbeitsabläufe auf Team- und Unternehmensebene ineinandergreifen. Planisware-Kunden unterschiedlichster Sparten haben bereits damit begonnen, SAFe zu implementieren, um ihre Produktentwicklung und Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten.

2. Künstliche Intelligenz (KI)

Spricht man heutzutage über Innovationen, so darf künstliche Intelligenz (KI) keinesfalls fehlen. Dabei ist es äußerst erstaunlich, wie sich dieses Feld in den letzten 10 Jahren entwickelt hat und wie groß das Interesse daran in der Bevölkerung ist. KI ist zweifellos branchenübergreifend der erfolgreichste Trend im technologischen Bereich der letzten Dekade Und auch das Projektmanagement konnte sich diesem Trend nicht entziehen. Auch Planisware als Hersteller ist bereits dabei, KI-Ansätze in das Softwareangebot zu integrieren.

Durch Fortschritte im Bereich Hardware (z. B. größere Speicher, höhere Rechenleistung),  das Sammeln großer Datenmengen (Big Data) sowie durch auf neuronalen Netzwerken basierenden Algorithmen für maschinelles Lernen (sogenanntes „Deep Learning“) können Daten eingesetzt werden, um fundierte Erkenntnisse zu gewinnen und automatisierte Prozesse zu generieren, die noch bis vor Kurzem unmöglich schienen.

Hier lässt sich auch ein großes Potential für das PPM erkennen, nicht zuletzt da Projekte bekanntermaßen große Datenmengen strukturierter Informationen beinhalten. Um daraus wertvolle Erkenntnisse abzuleiten, mussten Wissenschaftler bis vor Kurzem noch Verbindungen zwischen verschiedensten komplexen Variablen und Abhängigkeiten mit großem Aufwand manuell herstellen. Dies war ebenso mühsam wie zeitaufwendig.

Das ist auch einer der Gründe für die Entwicklung KI-basierter Funktionalität für prädiktive Analysen in den Lösungen von Planisware. So können Planisware-Kunden schnell und einfach große Datenmengen auf Abweichungen und Qualität untersuchen. Dies beschreibt Jean-Philippe Castells, Director beim Pharmaunternehmen UCB Pharma, wie folgt: „Es ist, als würden einem die Fehler regelrecht auf einem Silbertablett serviert.“

Wie bereits erwähnt basiert die Funktionalität der prädiktiven Schätzung auf künstlicher Intelligenz. Mit dieser Funktionalität können Planisware-Kunden Einflussgrößen für Vorhersagen (sogenannte Prädiktoren) identifizieren, die eine mögliche Erklärung für die Daten liefern. Diese Prädiktoren können dann wiederum als Grundlage für Schätzungen eingesetzt werden, anhand derer eine bessere Planung der Projektkosten, Termine und Ressourceneinsätze erfolgen kann.

„Die Ideen stammen meist nicht von uns, sondern von unseren Anwendern. Wir befinden uns mit den KI-basierten Funktionalitäten noch in der Anfangsphase und versuchen, zusammen mit unseren Kunden, herauszufinden, wie maschinelles Lernen gewinnbringend eingesetzt werden kann. Wir stellen dazu die nötigen Technologien bereit und unsere Kunden zeigen uns, was damit möglich ist.“ ¬ Pierre Demonsant, CEO von Planisware

 

3. Fortgeschrittene Portfoliooptimierung

Als Gedächtnisstütze zunächst ein kurzer Abriss zum PPM der letzten Dekaden:

● 1990er: Unternehmen entdecken die Bedeutung von Projekten
● 2000er: Unternehmen entdeckten die Bedeutung von Projektportfolios
● 2010er: Unternehmen entwickeln fortgeschrittene Portfoliooptimierungstechniken, um aus ihrem Projektportfolio den größten Nutzen zu ziehen.

Portfoliooptimierung ist wichtig, da nur wenige Unternehmen ausreichend Zeit und Ressourcen haben, um sämtliche potentiellen Projektvorhaben durchzuführen. Ein Großteil der Unternehmen steht in den 2020ern vor der Herausforderung, Kriterien für die Auswahl vielversprechender Projekte zu definieren, die dem Unternehmen langfristig den größten Mehrwert bringen.

Es gibt mehrere Ansätze, die die Optimierung des Projektportfolios zum Gegenstand haben:
Eine der Techniken, die zur Portfoliooptimierung eingesetzt wird, ist die Effizienzlinie (Efficient Frontier), anhand derer Unternehmen aus einem Pool potentieller Projektvorhaben unter Berücksichtigung bestimmter Rahmenbedingungen das ideale Projektportfolio zusammenstellen können.

 


Eine weitere hilfreiche Methode ist die Waterline-Analyse. Bei dieser Methode werden alle potentiellen Projektvorhaben anhand der für das Unternehmen entscheidendsten Kriterien bewertet. Diese Kriterien können etwa auf strategischen oder budgetrelevanten Faktoren basieren. Anschließend werden die Projekte ihrer Priorität entsprechend, beginnend mit der höchsten, dem Portfolio hinzugefügt, bis etwa Budget oder Ressourcenkapazität ausgeschöpft sind, also die „Waterline“ erreicht ist. Alle übrigen Projekte befinden sich dann unterhalb der Waterline. Das bedeutet aber nicht, dass diese komplett abgeschrieben sind. Ganz im Gegenteil, diese können immer noch mit anderen Projekten oberhalb der Waterline getauscht werden. So könnte zum Beispiel im Rahmen einer Simulation, in der mehrere Portfoliovarianten betrachtet werden, ein größeres Projekt oberhalb der Waterline gegen mehrere kleinere Projekte unterhalb der Waterline getauscht werden, wenn deren Gesamtbewertung höher ist als die des großen Projekts. Das Pareto Optimum ist dann erreicht, wenn durch keine weitere Kombinatorik der betrachteten Projekte und ihren individuellen Wertbeiträgen das Portfolio insgesamt einen noch höheren Gesamtwert erzielen kann.

Das war Teil 1 unserer Artikelreihe. In Teil 2 widmen wir uns dann den PPM-Trends 4 bis 6 der 2010er Jahre.